Angehende Psychotherapeut*innen diskutieren mit der Bundestagsabgeordneten Martina Stamm-Fibich, sowie Dr. Andreas Rose (IVS Nürnberg/Fürth) und Dr. Steffen Landgraf (SPD Regensburg) über Gesundheitspolitik und das neue Psychotherapeutenreformgesetz

26. Juni 2019

Die Bundestagsabgeordnete Martina Stamm-Fibich (SPD), Dr. Steffen Landgraf (SPD Regensburg) von der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) und Dr. Andreas Rose vom Institut für Verhaltenstherapie, Verhaltensmedizin und Sexuologie (IVS Nürnberg/Fürth) haben am 13. Juni 2019 in Erlangen mit über 80 angehenden Psychotherapeut*innen über Gesundheitspolitik und die anstehende Reform der Psychotherapeutenausbildung diskutiert. Sogar der Vorsitzende der ASG Bayern, Dr. Armin Rüger aus Sulzbach-Rosenberg, war mit anwesend, um der Debatte beizuwohnen.

Anlass der Veranstaltung war die Reform der Psychotherapeutenausbildung, die aktuell im Bundestag verhandelt wird. Durch die Reform wird der Heilberuf des Psychotherapeuten akademisiert und so können deutsche Universitäten künftig ein Direktstudium Psychotherapie anbieten. Das neue Studium soll sich voraussichtlich in ein 3-jähriges Bachelor- und ein 2-jähriges Masterstudium gliedern. Am Ende der Studienzeit stehen eine staatliche Prüfung und die Erteilung der Approbation. Im Anschluss folgt eine fünfjährige Weiterbildung zum Fach-Psychotherapeuten, ähnlich der Fach-Arzt-Weiterbildung.

Ursprung und zugleich Ziel der Reform ist es, die prekäre Situation vieler Psychotherapeut*innen in Ausbildung (PiAs) zu beenden, die sich aktuell häufig in praktikumsähnlichen Arbeitsverhältnissen widerfinden, ohne Kranken- oder Rentenversicherung, und für ihre Ausbildung zwischen 20.000 und über 80.000 Euro selbst aufbringen müssen.

Zu Beginn gab Dr. Landgraf einen einführenden Überblick über die berufspolitische Landschaft bzgl. des neuen Gesetzes. Er hob hervor, dass das Gesetz ein konsequenter und logischer Schritt für die Beseitigung der prekären Ausbildungsbedingungen und für die Sicherung qualitativ hochwertiger psychotherapeutischer Versorgung in Deutschland sei. Anschließend brachte Martina Stamm-Fibich die aus Sicht der Bundesregierung offenen Fragen mit ein. „Es kann nicht sein, dass wer jetzt in Ausbildung ist oder nach den Übergangsregeln in den kommenden 12 Jahren noch die Ausbildung absolviert, weiter Geld mitbringen muss und in der Vergütung schlechter gestellt wird“, so die Bundestagsabgeordnete.

In der lebhaft geführten Diskussion beantworteten die drei Experten die Fragen der Teilnehmer*innen. Dr. Rose konnte hier vor allem aus Sicht der Institute wichtige Informationen beisteuern. Von besonderem Interesse für die Studierenden war die Frage, wie ein unkomplizierter Übergang zwischen den alten und den neuen Studiengängen ausgestaltet sein könnte. Hier müsse das Gesetz noch nachgeschärft werden, so Martina Stamm-Fibich. Aber sie sei guter Dinge, dass man in den nächsten Wochen eine Lösung erreichen könne. Dr. Landgraf verwies seinerseits auf eine Stellungnahme der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung, in der ein früher Wechsel bzw. ein Quereinstieg in das neu konzipierte Masterstudium Psychotherapie vorgeschlagen wird. „Wer heute einen Bachelor in Psychologie absolviert, könne vielleicht morgen in das Masterstudium Psychotherapie quereinsteigen. Dadurch könnte die Anzahl der von den schlechten Ausbildungsbedingungen betroffenen PiAs dramatisch gesenkt werden und so die Ausbildungsreform auch den jetzigen PiAs zu Gute kommen“, so der Gesundheitspolitiker Dr. Landgraf. Demzufolge, sei es auch der SPD besonders wichtig, betonte Martina Stamm-Fibich, dass die Situation der aktuell in der Ausbildung befindlichen Psychotherapeuten kurzfristig spürbar verbessert werde. Und so brachte sie es dann mit ihrem letzten Satz des Abends auf den Punkt „Eine Psychotherapeutenreform ohne eine Verbesserung der Lage der PiAs wird es mit der SPD nicht geben!“, wofür sie und die anderen beiden Diskussionsteilnehmer abschließenden Beifall ernteten.

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